GEDENKAUSSTELLUNG BRUTUS LUGINBÜHL
BILDER + SKULPTUREN
 
Im August 2017 versammelten sie sich nochmals zu einem facettenreichen künstlerischen Alpabzug. In der Kunstgalerie Macelleria d’Arte in St. Gallen, wo einst eine Metzgerei Rind- und Kalbfleisch in den Auslagen feilbot, versammelte sich eine mittlere Kuhherde aus Holz, Bronze und Plastik; ein nobles Exemplar aus Keramik namens «Blanche» trug gar goldene Hörner.

Seit Brutus Luginbühl Mitte der 1980er-Jahre zwei Sommer auf einer Alp verbracht hatte, bildete das inoffizielle Nationalsymbol der Schweiz das Zentrum seines künstlerischen Kosmos. Die Kuh wurde von ihm liebevoll, zuweilen auch ironisch, in ihre Einzelteile zerlegt, seriell reproduziert oder majestätisch aufs Podest gehoben. Verschiedenste Techniken und Materialien kamen dabei in seinem Atelier in Bowil im Laufe der Jahre zum Einsatz: Kupferstiche, Tusche auf Papier, Brandeisen auf Holz, Eisenplastiken, Skulpturen aus Bronze und Aluminium oder Lichtinstallationen.

Es gibt da zum Beispiel eine Holzassemblage namens «Kuhbar» aus dem Jahr 1990: Auf einem halbierten Holzfass steht eine «trojanische» Holzkuh mit echtem Schädel, der Bauch des Tieres lässt sich öffnen und gibt den Blick auf eine gut bestückte Bar frei. Kühe thronen mitunter hoch oben auf einem Gefährt mit gestapelten Milchkannen oder formieren sich, auf verrosteten Walzen ruhend, zu hoch aufragenden «Kuhlissen».
Früh eingespannt

Mit seinen «Viehsionen» grenzte sich Brutus Luginbühl von einer mächtigen Vaterfigur ab, die indes in mancherlei Hinsicht prägend blieb. Der älteste Sohn des 2011 verstorbenen Eisenplastikers Bernhard Luginbühl wurde – zusammen mit seinen beiden ebenfalls künstlerisch tätigen Brüdern Ivan und Basil – früh eingespannt in das Familienunternehmen und assistierte bei den gewichtigen Projekten des Vaters. Der gelernte Filmlaborant absolvierte später noch eine Lehre als Zimmermann und entwickelte im Schatten des Vaters seine eigene künstlerische Handschrift.

Nach dem Tod des Familienpatriarchen vor sechs Jahren war Brutus Luginbühl auch zum Verwalter des väterlichen Werks aufgerückt. Da ist einerseits der seit 1998 der Öffentlichkeit zugängliche Skulpturenpark auf dem Anwesen der Familie Luginbühl in Mötschwil; andererseits amtete Brutus im 2004 eröffneten permanenten Ausstellungsraum im ehemaligen Alten Schlachthaus in Burgdorf als verantwortlicher Leiter.
(Quelle: Alexander Sury, Der Bund)

Gedenkausstellung
Basis dazu bildet die bisherige, vom Brutus konzipierte Ausstellung «Brandfiguren» von Bernhard Luginbühl. Bei den zwischen 1976 und 2007 durchgeführten Brandaktionen war Brutus Luginbühl fast immer an der Seite des Vaters. Zu dieser Ausstellung hat Brutus Luginbühl 15 nachträglich gebaute Modelle beigesteuert. Zahlreiche Bilder und Skulpturen aus dem Schaffen von Brutus ergänzen die neue Ausstellung.
 

Zusätzlich wird die von Brutus Luginbühl 2017 aufgebaute Ausstellung verlängert.

BRANDFIGUREN BERNHARD LUGINBÜHL 1976 – 2007
MODELLE IN HOLZ - ZEICHNUNGEN - SKIZZEN - FOTOS – FILME
 
Was einst am 3. September 1976 unter dem Titel „ZORN CHRISTOFERUS ALLMEND BERN, Protestakt zur Erinnerung an die Zerstörung des St. Christoferus, Pyrojux, mit einem Beitrag von Jean Tinguely als künstlerisch gestaltetes Feuerwerk auf der Berner Allmend begann, hat Bernhard Luginbühl zeitlebens beschäftigt. Mehrere Brandfiguren mit dem Titel „ZORN“ wurden so, im Anschluss in Bern, Linz, Berlin und schliesslich, am 3. September 1983 in Burgdorf ein Mahl der Flammen.
Die ab dem Jahre 1989 (Phönix, Von Roll, Obergerlafingen) bis 2007 (Finale, Art en Plein air, Môtiers) durchgeführten Brandaktionen trugen meist namens-, orts-, oder projektbezogene Titel. Ebenfalls ausgestellt sind Prototypen nicht realisíerter Brandfiguren.
Für die meisten dieser Figuren hat Bemhard Luginbühl mass- und detailgenaue Verbrennungsmodelle gebaut. Diese Arbeiten, ergänzt mit Skizzen, Zeichnungen, Fotografien und dem umfangreichen Filmmaterial bilden das Hauptelement der diesjährigen Ausstellung.
 
Text von Brutus Luginbühl
 
Flyer als PDF